Die Zeit vergeht…
Hey!
Es ist lange her, dass ich was geschrieben habe. Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug! Die Hälfte meines Austauschjahres ist schon vorbei! Ich habe viel interessantes erlebt - manchmal war es toll, manchmal nicht so sehr, aber im allgemeinen war es doch schon sehr interessant und ich habe schon viel gelernt!
Ich gehe erstmal wieder chronologisch vor und berichte von den wichtigsten Erlebnissen in den letzten Monaten:
Tykitys, Fechten, Finnischkurs & die Schwierigkeiten der finnischen Sprache (September-Oktober)
Wie ich ja noch in meinem letzten Eintrag erzählt habe, kam Tykitys auf mich zu. Es war ein sehr lustiger Tag, denn alle hatten sich die verschiedensten Kostüme angezogen und die Erstklässler am lukio (finnisches Gymnasium) mussten tun, was die Zweitklässler sagten. Wir sind auch singend und Sätze rufend durch die Innenstadt von Tampere gelaufen, was auch sehr lustig war. Auf einem grösserem Platz in der Mitte der Stadt haben die Zweitklässler dann unter anderem auch gerufen, dass wir uns hinlegen sollen und es war echt lustig als wir uns dann wirklich alle auf dem Boden rumgerollt haben. Viele Passanten waren stehen geblieben und haben belustigt zugeschaut. (Andere waren aber auch genervt, aber das hat uns natürlich nicht gestört ;) )
Das Fechten war echt super! Der Kurs ging 6 Wochen lang, dann musste ich leider aufhören. Der Trainer meinte, für den nächsten Kurs müsste ich die ganze Fechten-Ausrüstung haben, aber ich weiss nicht, was ich dann an der Kontrolle am Flughafen bei dem Rückflug nach Deutschland mit einem Degen gemacht hätte. ;)
Der Finnischkurs war auch ganz interessant und ich habe einige nette Leute kennen gelernt. Zwar war es ein kompletter Anfängerkurs und hat mir nicht so viel gebracht, aber immerhin habe ich mich etwas mehr mit der finnischen Sprache beschäftigt.
Finnisch ist übrigens immer noch sehr schwer für mich. Einige andere Austauschschüler sind schon ziemlich flüssig beim Sprechen, aber ich bin noch immer sehr verwirrt. Das Problem ist, dass das geschriebene Finnisch und das gesprochene Finnisch sich komplett unterscheidet. So kann ich zB. beim Fernsehen das Meiste von den Untertiteln verstehen (Finnen synchronisieren nicht, sie haben alle Filme/Serien in Orginalsprache mit Untertiteln) und lerne auch ganz viel dabei, aber wenn es dann ums Unterhalten mit Finnen geht, ist es etwas ganz anderes.
Ein Beispiel:
Million heisst auf Finnisch wann. Koska heisst auf Finnisch weil. Aber wenn man in der gesprochenen Sprache dann jemanden fragen möchte, wann er zB. wieder zurück nach Hause kommt, fragen die Finnen: Koska? Das hat mich am Anfang sehr verwirrt, weil ich natürlich nur die Bedeutung weil kannte.
Und die Finnen kürzen was das Zeug hält: Minä - Mä (ich; wobei in anderen Regionen kürzen die das sogar zu Miä); sinua - sua (dich); kahdeksan - kassi (acht); und vieles mehr…
Dann gibt es noch die vielen Fälle, von denen ich die Hälfte immer noch nicht verstehe. So ist zum Beispiel kahvi ein Kaffee. Wollen die Finnen zwei Kaffee haben, dann sagen sie aber nicht die Pluralform von Kaffee, sondern die Partitivform kahvia, da sie ja nur einen Teil des Kaffees von dem gesamten Kaffeevorrat haben wollen. Verwirrend? Definitiv.
Und auch die Pluralform finde ich immer noch sehr komisch. So gilt generell die Regel: Häng ein t ran, wie bei talo - talot (Haus - Häuser). Aber andere Wörter verändern dann wieder gleich den ganzen Stamm: poika - pojat (Junge - Jungen); käsi - kädet (Hand - Hände).
Sowieso verändern sich Wörter immer, wenn es bestimmte Konsonanten gibt. Das nennt man k-p-t-Wechsel. Wenn man nämlich zum Beispiel in der Stadt Turku ist, fällt das k plötzlich weg und man sagt: Turussa (in Turku). Aber der Wechsel bei diesen Konsonanten kommt wieder nur bei bestimmten der grammatischen Fällen vor!
Aber gut, ich habe ja noch die zweite Hälfte meines Austauschjahres vor mir und vielleicht lüfte ich noch das Geheimnis der Logik in der finnischen Sprache.
Auf zu neuen Ufern! (Oktober-November)
Ich hatte schon von mehreren Austauschschüler gehört, dass sie ihre Gastfamilie gewechselt haben und ich habe auch schon oft gehört, dass die erste Familie nicht immer die passende ist. So war’s dann auch bei mir und ich habe im Oktober meine Familie gewechselt. Zunächst kam ich bei meiner Supportperson unter (YFU stellt jedem Austauschschüler eine Person zur Verfügung, die denjenigen Austauschschüler betreut) und habe mich für ein paar Wochen in der Familie zurechtgefunden, was sehr nett und abwechslungreich war. YFU hat solange nach einer neuen Familie gesucht und ich habe auch meine Freunde gefragt, ob sie jemanden kennen. Schliesslich hat dann die Familie einer meiner Freundinen mich aufgenommen und somit wurde sie zu meiner neuen Gastschwester.
Ich habe nun auch einen kleinen Gastbruder (11) und zwei Katzen: Helmi und Kappu. Mit meinem Gastbruder und meinen Gastvater muss ich auch ausnahmsweise Finnisch sprechen, weil sie nicht so gut in Englisch sind. Also lasse ich dann einfach jede Grammatikregel ausser Acht und spreche wie es mir passt. Da kommt es natürlich auch zu kleinen Versprechern und so wird zum Beispiel aus veli (Bruder) velli (eine Art Babybrei).
Mit meinem Gastbruder und -vater bin ich zum ersten Mal in meinem Leben Langlaufski gelaufen und meine Gastschwester versucht mir derweil Schlittschuh fahren beizubringen.
Der Winter hier ist sehr gewöhnungsbedürftig. Zum einen ist er sehr schön, da wir hier schon im Oktober den ersten Schnee hatten und nun seit sehr langer Zeit sehr viel Schnee liegt. Ich finds auch immer sehr schön wie der Schnee glitzert ;)
Andererseits wird es sehr früh dunkel. In der dunkelsten Zeit war es sogar so, dass man zur Schule fuhr wenn es dunkel wurde und nach Hause kam wenn es schon wieder dunkel war. Jetzt wird es zum Glück immer früher wieder heller.
Einmal bin ich auch in den Wald gegangen, der direkt hinter unserem Garten beginnt. Es war echt zauberhaft und wunderschön! Ich bin sehr lange durch den kniehohen Schnee getappt und habe den Wald so schön gefunden, dass ich mich doch auch noch glatt verlaufen hatte! Zwei Stunden später habe ich dann schliesslich endlich den Weg rausgefunden und war ziemlich durchfroren ;)
Die Kälte ist erträglich. Zum Glück habe ich viele warme Sachen von Deutschland mitgenommen. Die tiefste Temperatur die ich schon erlebt habe, waren ca. - 25 Grad aber es hat sich wirklich nicht so kalt angefühlt. Das Schlimmste ist nur, wenn es windig ist. So können auch -2 Grad grausam sein, wenn der Wind ins Gesicht bläst.
Unabhängigkeitstag - Itsenäisyyspäivä
Erstmal die traurige Nachricht: Es gibt in Finnland am 06.12 kein Nikolaus-Tag. Also werden keine Stiefel rausgestellt und man bekommt auch keine Schokolade :(
Aber dafür ist der 06.12 der finnische Unabhängigkeitstag. Ich habe vom 1-3 jakso im Schulchor mitgewirkt und wir haben einige Stücke eingeübt und dann hat sich die ganze Schule versammelt und wir haben gesungen. Auch die finnische Nationalhymne war dabei. Danach konnten alle Schlittschuh fahren gehen, aber unglücklicherweise war der 06.12 einer der kältesten Tage in meiner Finnlandzeit und meine Hände und Füsse waren komplett eingefroren und blau. Ich konnte sie kaum mehr bewegen oder irgendetwas greifen. In der Bussfahrt nach Hause musste ich sie erstmal wieder aufwärmen. ;)
Ansonsten gucken auch sehr viele Finnen an diesem Tag Fernsehen, denn der finnische Präsident hält jedes Jahr an diesem Tag in seinem “Schloss” eine Party. Ich fand es ehrlich gesagt aber etwas langweilig, 3 Stunden zu zuschauen, wie Menschen durch die Eingangstür kommen und jeder dem Präsident die Hand zur Begrüssung schüttelt.
Weihnachten & Neujahr
Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir uns schon im Jahr 2013 befinden! Jedenfalls ging das 3 jakso in der Schule zu Ende und Weihnachten kam auf uns zu. Vor Weihnachten mussten wir erstmal pippari backen, finnische Lebkuchen! Danach haben wir auch das Haus weihnachtlich geschmückt und am Morgen des heiligen Abends den Weihnachtsbaum aufgestellt und auch diesen geschmückt. Währenddessen standen meine Gastmutter und -vater in der Küche und bereiteten das traditionelle Weihnachtsessen vor.
Am Mittag kamen Verwandte vorbei und wir haben alle gemeinsam joulupuuro (Weihnachtsbrei - eine Art Milchreis) gegessen und als ich anfing zu essen, habe ich gemerkt, dass in meinem Brei eine Mandel war. Als ich verwirrt nachgefragt habe, stellte sich heraus, dass im ganzen Brei eine Mandel versteckt war und derjenige, der die Mandel bekommt und isst, hat im nächsten Jahr Glück. Als die Verwandtschaft sich verabschiedete und der Abend kam, ging es weiter mit dem Essen. Es gab vier verschiedene traditionelle Aufläufe (Kartoffel - Karotten - Leber - und ‘lantu’ oder so, wobei ich ehrlich gesagt immer noch nicht was, weiss das ist), einen dicken Schinkenbraten und Salat.
Dann waren wir in der Kirche und anschliessend auf dem Friedhof - als wir zurückkamen, lagen viele Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Plötzlich klopfte es auch an unserer Terrassentür an und ein Mann in roter Kleidung mit weissem Bart - joulupukki - legte einen Sack ab, winkte und verschwand dann augenblicklich. Das war ziemlich lustig.
An Neujahr sind wir zu Freunden meiner Gastfamilie gegangen. Wir haben praktisch nur geredet und gegessen und um Mitternacht sind wir rausgegangen und haben ein paar Raketen angezündet. Allerdings war der Schnee so feucht und klebrig, dass eine der Raketen am Boden geblieben und explodiert ist. Danach haben wir lieber nichts mehr angezündet ;)
Ausflüge mit YFU
Mit YFU hatten wir mittendrin mehrere Treffen. Es gab zwei ‘Sprachkurse’ in Helsinki und Turku und den Tallin-Ausflug. Bei beiden Sprachkursen, die jeweils am Wochenende statt fanden, haben wir an einem Tag Finnisch gelernt und am anderem Tag uns in der Stadt umgesehen.
Der Ausflug nach Tallin war im Dezember. Die Schiffsfahrt nach Estland (und auch die Rückfahrt) war etwas gewöhnungsbedürftig. Die Wellen waren ziemlich hoch und das Schiff hat ziemlich geschaukelt. Die Stadt Tallin war sehr schön, allerdings war es übertrieben kalt und windig, sodass man sich praktisch die ganze Zeit nur sehnte, in irgendwelche Gebäude hineinzugehen.
Fazit nach halbem Jahr
Bislang würde ich nicht sagen, dass es das beste und schönste Jahr meines Lebens ist. Es gab positive und negative Seiten. Aber es ist generell ein sehr informatives Jahr! Ich habe sehr viel über mich selbst gelernt und das sind sehr wertvolle Erfahrungen, finde ich!
So, mal sehen was die nächste Zeit hier so bringt! Ich werde ganz sicher meinen nächsten Eintrag nicht so spät machen, wie dieses mal. ;D
Moikka!
Kristine
